Seminar Programm
Hydrophilic Interaction Chromatography - Die ideale Alternative zur Trennung von polaren Substanzen
Dr. Annette Dibowski YMC Europe GmbH
Die chromatographische Trennung von stark polaren Verbindungen stellt nicht nur in der Pharmazeutischen Industrie immer wieder ein Problem dar. Hier bietet die Hydrophilic Interaction Chromatography (HILIC) eine Alternative, welche für viele Anwedungsbereiche Vorteile gegenüber klassischen Chromatographiemethoden liefert.
So werden sogar stark polare Substanzen retardiert und getrennt, welche im RP-Modus keinerlei Retention erfahren würden. Auch können aufgrund des alternativen Trennmechanismus Elutionsreihenfolgen im Vergleich zur RP-Chromatographie umgekehrt werden, so dass sich für die Methodenentwicklung völlig neue Möglichkeiten ergeben bzw. ein chromatographisches Trennproblem nur so gelöst werden kann.
Schliesslich kann HILIC auch, neben dem Anwendungsbereich der UV/VIS- oder Fluoreszenz-Detektion, problemlos in der LC/MS-Kopplung eingesetzt werden, welche aus dem heutigen chromatographischen Alltag nicht mehr wegzudenken ist.
Fallstricke in der HPLC
Veronika R. Meyer, EMPA St. Gallen
Überlegt man sich, wie ein HPLC-Peak zustande kommt, so wird klar, dass seine Fläche (oder Höhe) von zahlreichen Einflussfaktoren abhängt. Beinahe jeder davon kann Anlass für eine Störung oder einen Fehler sein. Das Resultat: nicht reproduzier--bare Chromatogramme, falsche Analysendaten, Ärger, Frustration. Der Vortrag diskutiert einige Fallstricke, die man zum Glück meist vermeiden kann, wenn man einmal darüber nachgedacht hat.
Acrylamid Bestimmung mit GC/MS (PCI) in Lebensmitteln
Heiko Helms PerkinElmer Deutschland GmbH
Derzeit ist die Probenvorbereitung von Lebensmitteln zur Analyse auf Acrylamid recht zeitaufwendig. Die vorgestellten Resultate untersuchen die Frage, ob die statische Headspace in Verbindung mit GC-MS und chemischer Ionisation einen Weg eröffnen, der das Verfahren vereinfacht – ohne an Analysensicherheit zu verlieren.
Die Extraktion erfolgt in Anlehnung an bestehende Verfahren, während für die Analyse des Extraktes auf ein weiteres Cleanup verzichtet wird. Der Extrakt wird durch Totalverdampfung vom Headspace-Sampler dosiert, und mittels GC-MS ( Methan, positiv CI ) analysiert. Diskutiert wird die Frage in wie weit polare Stoffe, die üblicherweise nicht durch Headspace untersucht werden, diesem Verfahren zugänglich gemacht werden können.
Die Visualisierung des Verdampfungsprozesses in der heissen Verdampferkammer des klassischen split und splitlosen GC-Injektors
Maurus Biedermann, Kantonales Labor Zürich
Die Kapillar-Gaschromatographie kämpft oft mit nicht reproduzierbaren Ergebnissen. Dabei liegen die Fehlerquellen vielfach schon im Injektor. Der Verdampfungsprozess in der heissen Verdampferkammer war schwer zu erfassen und bot Anlass zu vielen Spekulationen. Mit Hilfe der nachfolgend beschriebenen Versuchsanordnung kann die Verdampfung sichtbar gemacht und die Vorgänge im Injektor direkt beobachtet werden.
Eine Injektorimitation aus Glas wurde in einem Heizbad auf 200 °C thermostatisiert [1]. Perylen diente als Indikator unverdampfter Probenflüssigkeit: unter UV-Bestrahlung zeigt gelöstes Perylen starke Fluoreszenz, welche nach dem Verdampfen des Lösungsmittels erlischt. Die Experimente wurden gefilmt und auf den Computer übertragen, dies ermöglichte eine Bild um Bild Auswertung der normalerweise schnellen Prozesse [2].
Wird die Verdampfung in der Spritzennadel unterdrückt, z. B. mittels einem schnellen Autosamplers, verlässt die Probe die Nadel als Strahl [3]. Dies eliminiert die Diskriminierung von hochsiedenden Komponenten in der Spritzennadel, bringt aber ein neues Problem: das Strahl schiesst ohne namhafte Verdampfung am Säuleneingang vorbei. Die Videos zeigen was mit der Flüssigkeit geschieht, sowie welche Mittel den Strahl erfolgreich stoppen und die Probe für die Verdampfung über dem Säuleneingang halten.
Wird die Spritzennadel vor dem Drücken des Stempels auf Injektortemperatur erhitzt (Injektion mit heisser Nadel), erzeugt partielle Verdampfung in der Nadel einen Thermosprayeffekt: die Flüssigkeit vernebelt und Probenkomponenten verdampfen aus kleinen, in der Gasphase schwebenden Tröpfchen [4,5]. Dabei wird ein Kontakt der Probe mit möglicherweise adsorbtiven oder verschmutzten Oberflächen verhindert.
Die Videos zeigen die Komplexität des Verdampfungsprozesses im Injektor und wo die Möglichkeiten der Einspritzung mit Strahlbildung oder Thermospray liegen.
[1] K. Grob, M. DeMartin, J. High Resol. Chromatogr., 1992, 15, 335
[2] M. Biedermann, „Visualization of the Evaporation Process during Classical Split and Splitless Injection in GC", CD-ROM, 2000
[3] K. Grob, M. Biedermann, „Video-taped sample evaporation in hot chambers simulating gas chromatography split and splitless injectors II. Injection with band formation“, J. Chromatogr. A, 2000, 897, 247-258
[4] K. Grob, M. Biedermann, „Video-taped sample evaporation in hot chambers simulating gas chromatography split/splitless injectors I. Thermospray injection“, J. Chromatogr. A, 2000, 897, 237-246
[5] K. Grob, M. Biedermann, “The Two Options for Sample Evaporation in Hot GC Injectors; Thermospray and Band Formation. Optimization of Conditions and Injector Design”, Anal. Chem. 2002, 74, 10-16
Spurenanalytik und Umweltverhalten von bromierten Flammschutzmitteln
Andreas C. Gerecke, Martin Kohler, Markus Zennegg, Peter Schmid, Norbert V. Heeb.
Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (EMPA),
Abteilung Organische Chemie, Überlandstrasse 129, 8600 Dübendorf.
Bromierte Flammschutzmittel sind heute die nach den Weichmachern mengenmässig am zweithäufigsten eingesetzten Additive für Kunststoffe. Obwohl einzelne bromierte Flammschutzmittel bereits vor über 20 Jahren erstmals in der Umwelt nachgewiesen wurden, stehen diese Stoffe erst seit kurzer Zeit im Rampenlicht. Während der letzten zwanzig Jahre haben sich die Konzentrationen von polybromierten Diphenylethern (PBDE) in der Muttermilch weitgehend unbemerkt alle fünf Jahre verdoppelt (USA). Die Tatsache, dass sich neben den altbekannten persistenten organischen Schadstoffen wie den polychlorierten Biphenylen (PCB), den polychlorierten Dibenzo-p-dioxinen und -furanen (PCDD/F) oder dem Pestizid DDT bromierte Flammschutzmittel ebenso global ausbreiten und in der Nahrungskette anreichern ist Grund genug, Umweltverhalten und Einsatz dieser zum Teil hormonaktiven Stoffe genauer unter die Lupe zu nehmen.
Nach einer Einführung zu den Einsatzgebieten sowie den wichtigsten chemischen und toxikologischen Aspekten bromierter Flammschutzmittel werden spurenanalytische Methoden, Umweltverhalten und Vorkommen in der Umwelt vertieft beleuchtet. Der Einsatz von LC/MS und GC/HRMS für den quantitativen Nachweis von bromierten Flammschutzmitteln in Umweltproben wird präsentiert. Die instrumentellen Nachweisgrenzen liegen dabei im Bereich von 5 - 500 Picogramm. Um diese Empfindlichkeit auch in Umweltproben zu erreichen, sind umfangreiche Reinigungsschritte notwendig (u.a. chemische Probenvorbehandlung, und verschiedene chromatographische Techniken).
Der aktuelle Stand des Wissens über das Umweltverhalten bromierter Flammschutzmittel wird anhand eigener Untersuchungen, der chemischen Eigenschaften und internationaler Studien diskutiert. Um zeitliche Trends der Frachten von PBDE in Klärschlamm zu erfassen wurden Klärschlammproben aus acht Kläranlagen der Region Zürich aus den Jahren 1993 und 2002 untersucht. Die Konzentrationen für Decabromdiphenylether (DeBDE, BDE-209) stiegen von durchschnittlich 220 ng pro g Trockensubstanz (TS) im Jahre 1993 auf 1100 ng pro g TS im Jahre 2002, dies entspricht einer Zunahme von 560 %. Im Gegensatz dazu ging der mittlere Gehalt der niederbromierten Kongenere von 150 ng pro g TS im Jahre 1993 auf 69 ng pro g TS im Jahre 2002 zurück. Die Resultate entsprechen dem Verbrauchstrend in Europa, wo heute aus der Substanzklasse der bromierten Diphenylether hauptsächlich DeBDE als Flammschutzmittel verwendet wird. Anhand der selektiven Anreicherung von alpha-Hexabromcyclododecan (alpha-HBCD) in Fischgewebe wird ein aktuelles Beispiel für das unterschiedliche Verhalten einzelner Isomere in der Umwelt skizziert. |